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Jenische Perspektive auf europäischer Konferenz eingebracht
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Martti Zeyer vertritt den Zentralrat der Jenischen bei der FUEN-Tagung in Leeuwarden
Wie können Minderheitensprachen im Zeitalter der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz gestärkt werden? Mit dieser Fragestellung beschäftigte sich Anfang Juli die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Non-Kin-State (AG NKS) der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN), die in diesem Jahr im niederländischen Leeuwarden (Ljouwert) stattfand. Unter dem Leitthema „Die digitale Präsenz von Minderheitensprachen“ kamen Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher europäischer Minderheiten zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.
Für den Zentralrat der Jenischen in Deutschland e. V. nahm Martti Zeyer an der Konferenz teil und brachte die Perspektive der jenischen Gemeinschaft in die internationalen Beratungen ein.
Jenische Anliegen im europäischen Dialog
Im Rahmen der Länderberichte informierte Martti Zeyer über die aktuelle Situation der Jenischen in Deutschland. Im Mittelpunkt standen das laufende Anerkennungsverfahren als nationale Minderheit sowie die vielfältigen Aktivitäten des Zentralrats zur Stärkung der Sichtbarkeit jenischer Geschichte und Kultur.
Dabei berichtete er unter anderem über die zahlreichen Gedenkveranstaltungen für die jenischen Opfer des Nationalsozialismus, an denen der Zentralrat in den vergangenen Monaten beteiligt war. Ebenso stellte er den aktuellen Stand des Anerkennungsverfahrens vor.
Darüber hinaus wurde auf die Beratungen des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages zur Situation der lange verleugneten NS-Opfer hingewiesen. Aus Sicht des Zentralrats ist es ein wichtiges Signal, dass die Jenischen künftig als eigenständige Opfergruppe in der deutschen Erinnerungskultur sichtbar werden.
Digitalisierung mit Augenmaß
Ein Schwerpunkt der Tagung lag auf innovativen digitalen Anwendungen für Minderheitensprachen. Vorgestellt wurden unter anderem Sprachwerkzeuge, Übersetzungsprogramme, KI-gestützte Anwendungen sowie Projekte zur digitalen Sprachförderung in Verwaltung, Bildung und Alltag.
Für die jenische Gemeinschaft ergeben sich daraus besondere Fragestellungen. Anders als viele andere Regional- und Minderheitensprachen erfüllt das Jenische traditionell auch eine Schutzfunktion innerhalb der Gemeinschaft.
Dennoch bot die Tagung wertvolle Impulse. Digitale Werkzeuge können künftig dazu beitragen, das Jenische innerhalb der Gemeinschaft zu dokumentieren, weiterzugeben und langfristig zu bewahren, ohne den besonderen Charakter der Sprache aufzugeben. Der Zentralrat wird die vorgestellten Ansätze prüfen und bewerten, welche Möglichkeiten sich für die interne Sprach- und Kulturarbeit eignen.
Europäische Zusammenarbeit stärken
Neben den fachlichen Diskussionen bot die Tagung zahlreiche Gelegenheiten zum Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern anderer europäischer Minderheiten. Die gemeinsamen Gespräche machten deutlich, dass viele Minderheiten vor ähnlichen Herausforderungen stehen – zugleich aber unterschiedliche Wege finden, ihre Sprache, Kultur und Identität zu bewahren.
Für den Zentralrat der Jenischen war die Teilnahme deshalb weit mehr als ein fachlicher Austausch. Sie bot die Möglichkeit, die Anliegen der jenischen Gemeinschaft in Deutschland auf europäischer Ebene sichtbar zu machen, internationale Kontakte zu vertiefen und neue Impulse für die zukünftige Arbeit mitzunehmen.